Global Tech I, einer der größten deutschen Windparks, geht offiziell in Betrieb

Hamburg, 02.09.2015 – Mit einem gemeinsamen Startsignal haben heute Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Carsten Sieling, Bürgermeister der Hansestadt Bremen und Olaf Lies, Wirtschaftsminister des Landes Niedersachsen, zusammen mit Gesellschaftern und Geschäftsführern der Projektgesellschaft Global Tech I Offshore Wind GmbH den Nordsee-Windpark Global Tech I offiziell in Betrieb genommen. Mit 400 Megawatt ist er der größte deutsche Offshore-Windpark, der in diesem Jahr vollständig in Betrieb genommen wurde. Bis heute gibt es in Deutschland nur einen anderen Windpark mit der gleichen Gesamtleistung. Gleichzeitig ist Global Tech I mit 140 Kilometern Entfernung vom Logistik-Stützpunkt in Emden auch der Windpark, der am weitesten von der Küste entfernt liegt.

Global Tech I verfügt über insgesamt 80 Windturbinen der 5 Megawatt-Klasse und erreicht damit eine installierte Gesamtleistung von 400 Megawatt. So kann das Nordsee-Kraftwerk jährlich rund 445.000 Haushalte mit Strom aus Windkraft versorgen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur umweltfreundlichen Energieversorgung und zur Erreichung der Klimaziele. Die CO2-Einsparung beträgt jährlich 1,2 Millionen Tonnen im Vergleich zu herkömmlichen Kohlekraftwerken.

Der Bau des Windparks selbst stellt eine technische Meisterleistung dar: Die Adwen AD 5-116 Windturbinen wurden unter Berücksichtigung strikter Meeresumweltschutzauflagen in einer Wassertiefe von 40 Metern auf stählernen Tripod-Gründungsstrukturen montiert. Die gesamte Logistik für alle Bauabschnitte, von der Installation der Fundamente bis zur Montage der Rotorsterne musste optimal und flexibel auf Faktoren wie Wetter, Verfügbarkeiten von Schiffen, Crews, Material sowie dem Netzanschluss abgestimmt werden. Da der Netzanschluss mehrfach verschoben wurde, hatte Global Tech I seinen Bauzeiten-Plan soweit wie möglich angepasst und trotz der Verzögerungen das Projekt im erwartbaren Kosten- und adaptierten Zeitrahmen realisiert.

Um einen reibungslosen Betrieb des Windparks zu gewährleisten, arbeiten die mit 37 Personen besetzte Offshore-Umspannstation im Windpark und die Betriebsleitstelle in der Hamburger HafenCity eng zusammen. Die Betriebsleitstelle überwacht den Seeraum sowie sämtliche Parameter des Windparks. Darüberhinaus gehört auch die Steuerung des parkinternen Kabelnetzes und der Großtransformatoren, die den Strom der Windkraftanlagen von 33 auf 155 Kilovolt umspannen, dazu. Und dies alles wird per Mausklick aus dem Herzen Hamburgs gesteuert. Die Betriebsleitstelle ist gleichzeitig für die Kommunikation mit den Direktvermarktern des erzeugten Stroms sowie dem Übertragungsnetzbetreiber verantwortlich. Die Umspannstation ist aufgrund der großen Entfernung des Windparks zur Küste als logistischer Stützpunkt für Service- und Wartungseinsätze eingerichtet. Sie verfügt, vergleichbar mit einer autarken Kleinstadt, über alle notwendigen Einrichtungen wie Frisch- und Abwasseraufbereitung, einen Hotelbetrieb, ein Hospital mit Rettungsassistenten und telemedizinischem Gerät sowie eine eigene „Feuerwehr“ und einen Helikopterlandeplatz inklusive Tankstelle. Die Servicetechniker des Turbinenherstellers Adwen sind hier für Service- und Wartungseinsätze untergebracht, um eine optimale Verfügbarkeit der 80 Turbinen zu gewährleisten.

Hinter dem Projekt stehen folgende Anteilseigner: Die drei Energieversorger Stadtwerke München GmbH, ENTEGA AG (vormals HEAG Südhessische Energie AG, Darmstadt) und das Schweizer Unternehmen Axpo. Darüber hinaus zählt der Privatinvestor, Familie Meltl, über die Esportes Offshore Beteiligungs GmbH und als ursprüngliche Initiatoren des Windparks die beiden Projektentwicklungsgesellschaften Norderland Projekt GmbH und Windreich GmbH dazu. Darüber hinaus sind die Unternehmen FC Wind 1 GmbH, FC Wind 2 GmbH, GTU I GmbH und GTU II GmbH beteiligt.

– Zitate –

Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg: „Global Tech I ist ein Teamwork der Spitzenklasse. Über Bundesländer und Landesgrenzen hinweg ist das Projekt geplant, finanziert und realisiert worden. Die Bremer steuern die Turbinen und von dort stammen sie auch, in Niedersachen erfolgt die Netzeinspeisung und hier in Hamburg liegt die Verantwortung für den Betrieb und die Steuerung des Windparks.“

Dr. Carsten Sieling, Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen: „Global Tech I ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass das Zentrum der Offshore-Windindustrie an der deutschen Nordseeküste liegt. Mit Niedersachsen, Hamburg und Bremen tragen die Hafenstandorte in der Deutschen Bucht zu unterschiedlichen Teilen zum Erfolg des Projektes Global Tech I bei. Das ist für die gesamte Bundesrepublik gut, denn die Offshore-Windenergie ist ein ganz zentraler Aspekt im Klimakonzept der Bundesregierung. Sie ist eine wesentliche Voraussetzung um die gesteckten CO2-Minderungs-Ziele zu erreichen und sie ist zwingend notwendig, damit der Ausstieg aus der Kernenergie gelingt. Die heutige Eröffnung ist deshalb ein tolles Signal und gleichzeitig eine Aufforderung an die Bundesregierung, bedarfsgerechte und pragmatische Rechtsgrundlagen für die Errichtung zukünftiger Windparks zu schaffen.“

Olaf Lies, Wirtschaftsminister des Landes Niedersachsen: „Global Tech I ist eine beeindruckende technische und logistische Leistung, die mich als Elektroingenieur begeistert. Weit draußen auf dem Meer wird hier Strom für mehr als 440.000 Haushalte produziert. Ich freue mich im Übrigen sehr, dass die Stadtwerke München sich weiter auf diesem Feld stark engagieren. Das zeigt mir, dass auch tief im Süden der Republik die Bedeutung der Offshore-Windenergie erkannt ist.“

Detlef Schmeer, Technischer Geschäftsführer der Global Tech I Offshore Wind GmbH: „Bereits am 27. Juli dieses Jahres hat die 80. Windkraftanlage von Global Tech I Strom eingespeist. Wir sind heute sehr stolz, dass wir das Nordsee-Kraftwerk offiziell in Betrieb nehmen können. Mit unseren 80 Windkraftanlagen und der Umspannstation inmitten des Windparks, die rund um die Uhr besetzt ist, wollen wir eine zuverlässige Stromversorgung von 445.000 Haushalten gewährleisten.“

Dr. Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke München GmbH: „Mit Global Tech I weihen wir dieses Jahr bereits den dritten Offshore-Windpark ein, an dem wir beteiligt sind. Für den vierten ist vor kurzem der Baustart auf See erfolgt. Das zeigt, welch hohen Stellenwert diese noch junge Technologie bei den SWM einnimmt. Ohne die Offshore-Windkraft könnten wir unsere ehrgeizigen Ausbaupläne im Bereich der erneuerbaren Energien nicht realisieren: Wir wollen bis 2025 so viel Ökostrom erzeugen, wie ganz München verbraucht. München wird damit die erste Millionenstadt sein, die dieses Ziel erreicht. Und Global Tech I bringt uns hier wieder einen großen Schritt weiter. Ich danke allen, die bei der Entstehung dieses gewaltigen Öko-Kraftwerks mitgewirkt haben. Uns und unseren Kooperationspartnern wünsche ich nun eine allzeit steife Brise, damit wir den Lohn unserer Mühen auch ernten können.“

Dr. Marie-Luise Wolff-Hertwig, Vorsitzende des Vorstands der ENTEGA AG: „Für uns als Regionalversorger ist die Inbetriebnahme von enormer Bedeutung: Global Tech I ist für ENTEGA die wesentliche Säule der Erzeugungsstrategie und die Investition beweist, dass gerade Regionalversorger das eigentliche Rückgrat der Energiewende sind.“

Andy Heiz, Geschäftsbereichsleiter Produktion & Netze der Axpo Gruppe „Global Tech I passt hervorragend in die Axpo Strategie. Die Eröffnung ist ein Meilenstein und ein bedeutender Ausbau unseres Portfolios im Bereich Windenergie. Unseren Anteil vor der Nordseeküste produzierter Energie können wir direkt über unsere Tochtergesellschaft in Deutschland vermarkten.“

Privatinvestor, Familie Meltl, Esportes Offshore Beteiligungs GmbH „Für uns als Privatinvestor steht das Engagement in regenerative Energien als gesellschaftliche Verantwortung und Aufgabe im Vordergrund. Wir freuen uns, mit den Energieversorgern in München und Darmstadt sowie der Schweizer Axpo faire und starke Partner gefunden zu haben, mit denen die Realisierung dieses gewaltigen Windpark-Projektes gelungen ist. Glückwünsche und Dank an das gesamte Team von Global Tech I."

Günter Eisenhauer, Geschäftsführer der Norderland Projekt GmbH: „Im Jahr 2003, also vor zwölf Jahren habe ich gemeinsam mit dem damaligen zweiten Geschäftsführer Hans-Jürgen Kothe die Vision dieses Windparks auf Kiel gelegt, die dann von uns in 2006 zur Genehmigung gebracht und in 2010 zur ersten BSH Freigabe geführt wurde. Mit Blick auf die vielfältigen, sämtlich erfolgreich gemeisterten Herausforderungen, dieser seinerzeit noch größtenteils neuartigen Technologie in über 100 Kilometern vor der Küste zu installieren, bin ich heute dankbar, dass der in 2008 erweiterte Gesellschafterkreis den Mut und das Vertrauen hatte, Global Tech I zu dem Erfolgsprojekt zu machen, wie wir es heute vorfinden. Gerade den drei Großgesellschaftern gilt hier ein besonderer Dank!“

Willi Balz, Geschäftsführer der GTU II GmbH und Gründer der Windreich: „Als ich Anfang 2008 die Wetfeet GmbH gründete, aus der später Global Tech I hervorgegangen ist, war ich beflügelt von der Idee, Windparks künftig nur noch da zu bauen, wo es stetigen Wind gibt, nämlich Offshore. Als erfahrener Regattasegler, Segelflieger und Windmüller bin ich überzeugt, dass aufgrund der laminaren Windverhältnisse 4.500 Volllaststunden für küstenferne Windparks möglich sind. Erfreulicherweise ist es mir vor sieben Jahren gelungen, sowohl Energieversorger als auch weitere Investoren für die Vision Global Tech I zu begeistern, so dass das initiale Eigenkapital eingeworben werden konnte. Durch deutsche Ingenieurskunst und solide Technik wurden alle Herausforderungen gemeistert. Heute können wir zufrieden auf das gemeinsam Erreichte zurückblicken und uns für die Zukunft auf Produktionsrekorde freuen. Ein wichtiger Schritt für die effiziente Umsetzung der Energiewende."

–      Ende Pressemitteilung –